• Beitrag zuletzt geändert am:Juli 8, 2022
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Kein Budget für Lektorat? 10 Tipps für deine Texte

Wenn die Kohle fehlt, wird zuerst dort gespart, wo man selbst auf den ersten Blick keinen Verbesserungsbedarf sieht. Und das sind leider oft die Texte auf Websites, in Broschüren, auf Flyern oder in Anzeigen. Schließlich haben wir alle Lesen und Schreiben in der Schule gelernt – was kann daran also schon so schwer sein?

Im Schnitt: Pro Seite 18 Fehler

Bisher ist so gut wie jeder meiner Kunden aus allen Wolken gefallen, wenn er oder sie die von mir lektorierten Dokumente zurückbekommen hat. Glücklicherweise nicht, weil ich eine pingelige Motzekuh bin, die generell alles doof findet, was der Kunde selbst erarbeitet. Sondern, weil da einfach noch richtig viele Fehler im Dokument waren. Im Dokument, das der Kunde zuvor bis zum Abwinken selbst korrekturgelesen und für gut befunden hat.

Ich habe dazu spaßeshalber mal eine Zählung durchgeführt und bin bei meinen Lektoraten auf durchschnittlich 18 Fehler pro Seite gekommen.

Suchmaschine bestraft schlechte Rechtschreibung

Nicht nur deine Kunden verbinden Rechtschreib- und Grammatikfehler mit Unprofessionalität – sondern auch Google und Co. sind sich dabei einig: Hier schreibt eine Person, die nur mittelmäßig viel Wert auf Qualität legt. Texte, die vor Rechtschreibfehlern nur so strotzen, stuft der Internetplatzhirsch Google (und vermutlich auch Bing, DuckDuckGo und wie sie alle heißen) als minderwertig, nicht useroptimiert und irrelevant ein. Autsch.

Es wäre unglaubwürdig, wenn ich behaupte würde, dass du dir ein Lektorat deiner Texte, Flyer und Broschüren sparen kannst – denn damit verdiene ich als Profi-Texterin unter anderem mein Brot.

Aber – ein Lektorat kann richtig, richtig ins Geld gehen und manchmal ist dafür einfach kein Budget da. Wir Profis hören sowas wirklich ungern und mir selbst blutet dabei das Herz – leider ist jedoch genau das die Realität in vielen Unternehmen, Abteilungen oder bei Selbstständigen

Doch ich habe eine gute Nachricht für dich: Etwa die Hälfte dieser Patzer, von denen ich oben erzählt habe, sind keine geheimnisvollen Kommafehler oder sprachlichen Missgeschicke, sondern Kleinkram, für den man kein Grammatik-Genie sein muss.

Was kannst du also tun?

Ganz einfach: Mit ein paar Hinweisen, welche Dinge du bei deinen Texten im Auge behalten solltest, kannst du deinem Werk viel Gutes tun und etliche Fehler vermeiden. Ein professionelles Lektorat ersetzt das natürlich nicht, aber jeder Fehler weniger bedeutet ein Quäntchen mehr Professionalität gegenüber deinen Kunden und Partnern.

Meine Tipps helfen dir auch, wenn du einen Lektor beauftragst

Viele Lektoren haben Seitenpreise. Das heißt, sie verlangen einen bestimmten Betrag pro lektorierter Seite. Bevor sie dir ein Kostenangebot erstellen, lassen sie sich oft einen Auszug aus deinem Dokument zuschicken. Dadurch haben sie sofort einen Eindruck, wie hoch etwa die Fehlerdichte ist und wie aufwendig die Korrektur sein wird. Bei einem überdurchschnittlichen Aufwand passen sie den Seitenpreis nach oben an.

Je mehr Fehler also dein Text aufweist, desto zeitaufwendiger wird das Lektorat und desto höher fällt der tatsächliche Seitenpreis aus. Wenn du meine Tipps beachtest, sparst du damit deinem Lektor Zeit und folglich dir selbst Geld.

Umgehe mit meinen Tipps die häufigsten Schreib-Fehler 

Jetzt möchte ich dich aber nicht länger auf die Folter spannen. Hier kommen die 10 häufigsten Problemfälle in den Texten meiner Kunden und meine Tipps, wie du diese umgehen kannst.

1. Zu lange Sätze

Es ist ein Klassiker, der jedem meiner Kunden passiert: Sätze ziehen sich über drei, vier, fünf oder mehr Zeilen und finden kein Ende. Das macht das Lesen sehr anstrengend und wichtige Informationen gehen unter. Denn der Leser ist nur noch damit beschäftigt, sich irgendwie durch den Satz zu hangeln und vergisst darüber, die Botschaft des Textes aufzunehmen.

Hier habe ich drei Faustregeln für dich:

• Geht der Satz über zwei Zeilen, ist er in den meisten Fällen bereits zu lang. 
• Kannst du den Satz nicht in einem Atemzug durchlesen, ist er zu lang.
• Musst du einen Satz zweimal lesen, um ihn zu verstehen, ist er zu lang (und vermutlich auch zu kompliziert formuliert).

Hab keine Angst, zwei oder mehr Sätze aus solchen Ungetümen zu machen. Dein Text kann dadurch nur besser werden.

2. Unnötige Füllwörter

Wir neigen dazu, Texte mit überflüssigen Füllwörtern aufzublähen. Das passiert auch uns Profis. Aber wir wissen um diese Problematik und streichen zum Ende hin, wenn wir unseren eigenen Text korrigieren, rigoros jedes unnötige Füllwort raus. Und unnötig sind sie in den meisten Fällen.

Manchmal geben sie dem Text eine gewisse Leichtigkeit beim Lesen oder beeinflussen deinen Schreibstil. Dann ist das natürlich in Ordnung. Denn wenn du wirklich jedes einzelne Füllwort rauskickst, wirkt dein Text am Ende nur noch steckensteif, emotionslos und langweilig. Aber für den Großteil dieser Worte gilt: Weg damit!

Klassische Füllwörter sind: auch, aber, doch, dann, einfach, echt, besonders, bei weitem, genau, nur, sonst, sogar.

3. Zu viele Doppelpunkte und Gedankenstriche

Es scheint, als haben Menschen, die nicht so oft in die Tasten hauen, eine große Liebe für Doppelpunkte und Gedankenstriche. Klar, damit kann man super strukturieren und auch ordentlich Dramaturgie in einen Text einbauen. Aber bitte nicht übertreiben.

Mehr als ein Doppelpunkt pro Absatz ist zu viel. Mehr als ein Gedankenstrich pro Seite ist zu viel. Damit verpufft nur die Wirkung dieser beiden dramaturgischen Mittel. Für die meisten Gedankenstriche und Doppelpunkte könnt ihr problemlos einen Punkt setzen – das ändert absolut nichts an der Wirkung des Satzes.

Eine Ausnahme, die Doppelpunkte selbstverständlich erlaubt, sind Aufzählungen oder Beispiele. An diesen Stellen strukturieren sie deinen Text und sind damit völlig richtig eingesetzt.

Achtung

Es gibt einen Unterschied zwischen Gedankenstrich und Bindestrich. Ersterer ist etwas länger und hat davor und dahinter immer ein Leerzeichen. Ein Bindestrich ist kürzer und verbindet zwei Wörter ohne Leerzeichen dazwischen.

4. Einheitliche Schreibweise

Es gibt Wörter, die zwei Schreibweisen haben, und beide sind richtig, zum Beispiel:

  • potenziell – potentiell
  • aufwendig – aufwändig
  • Essstäbchen – Ess-Stäbchen
  • Friseur – Frisör
  • in Frage stellen – infrage stellen

Die unterschiedlichen Schreibweisen folgen, wie das oft im Deutschen der Fall ist, keiner logischen Regel und das macht es etwas kniffelig für alle, die textlich nicht so sicher unterwegs sind.

Am besten und zuverlässigsten ist es, du fragst den Duden nach seiner Meinung. Meist empfiehlt er eine bestimmte Schreibweise. Aber egal, für welche Schreibweise du dich in solchen Fällen entscheidest – zieh diese Variante durch und wechsle nicht zwischen den beiden Formen hin und her.

5. Wortwiederholungen

Achte darauf, dass sich möglichst selten Wörter wiederholen. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, beispielsweise, wenn du ein Produkt vorstellst und es einfach keinen anderen Begriff dafür gibt. Verwende aber sonst Synonyme oder formuliere den Satz um, sodass du das wiederholte Wort gar nicht brauchst.

Das bezieht sich übrigens auch auf Wörter wie wir, uns, du, dein und ihr.

Tipp: Dir fällt partout kein Synonym ein? Nutz die Google Suche. Tippe dein Wort und Synonym ein, und du bekommst sofort eine Auswahl an gleichbedeutenden Begriffen.

6. Einheitliche Sprache

Du liebst Aufzählungen? Oder verwendest gern mehrere Textblöcke mit eigener Überschrift, um beispielsweise Eigenschaften oder Vorteile übersichtlich darzustellen? Dann achte darauf, dass du bei jedem Aufzählungspunkt, in jedem Block und bei jeder Headline dieselbe Sprache verwendest.

Wenn du bei einer Aufzählung beispielsweise Stichpunkte im Nominalstil benutzt, dann bleib dabei und wechsel nicht irgendwann in einen anderen Stil.

Nominalstil: Steigerung des Umsatzes, Prozessoptimierung
Verbalstil: Umsatz wird gesteigert, Prozesse optimieren.

Für die Überschriften der Blöcke gilt dasselbe. Du verwendest hier Substantive?  Dann wechsle nicht irgendwann zu Adjektiven.

Substantive: Qualität, Flexibilität
Adjektive: qualitativ, flexibel

7. Zahlen und Abkürzungen

Normalerweise sollten Zahlen bis einschließlich zwölf ausgeschrieben werden. Ab 13 dann Zahlenformat. Diese Regel ist jedoch nicht in Stein gemeißelt, und das ist gut so. Denn die Übersichtlichkeit und der ästhetische Gesamteindruck sind mindestens genauso wichtig.

Erklärst du einen Sachverhalt, in dem viele Zahlen bis zwölf vorkommen, ist der Inhalt für den Leser einfacher zu erfassen, wenn du durchgehend beim Zahlenformat bleibst. Kommen mehrere Zahlen unter und über 13 vor, ist es optisch schöner, beim reinen Zahlenformat zu bleiben. 

Theoretisch richtigAuf der Wiese treffen sich neun bis 14 Schafe.
Schöner: Auf der Wiese treffen sich 9 bis 14 Schafe.

Abkürzungen solltest du grundsätzlich vermeiden. Es sei denn, du kannst mit der Abkürzung die Übersichtlichkeit fördern. Das gilt vor allem für Abkürzungszeichen. Dann darfst du sehr gerne auch auf das Prozent-Zeichen (%) oder Paragraphen-Zeichen (§) zurückgreifen.

Nutze Textanalyse-Tools

Es gibt kostenlose Textanalyse-Tools wie Wortliga oder Textanalysetool, die deinen Text auf zu lange Sätze, Füllwörter, Abkürzungen und vieles weitere hin untersuchen. Per Copy & Paste kopierst du einfach deinen Text in das Eingabefeld und bekommst innerhalb von Sekunden eine Analyse. Ohne Installation, ohne Datei-Upload.

8. Zu komplizierte Formulierungen

Es gibt da diese merkwürdige Auffassung, dass ein Text umso wissenschaftlicher, wichtiger und hochwertiger ist, je komplizierter er zu verstehen ist. Denke nur mal an deine Abschlussarbeit mit vogelwilden Formulierungen und Schachtelsätzen, die eine halbe Seite füllen konnten. Wenn wir ehrlich sind, machen solche Texte weder dem Schreiber noch dem Leser Spaß.

Einfache Regel: Musst du einen Satz zweimal lesen, um ihn zu verstehen, ist er zu kompliziert. Vereinfache deine Formulierungen, kürze den Satz oder mach mehrere Sätze daraus. Wenn du auf keine leicht verständliche Formulierung kommst, dann stell dir vor, du erklärst den Sachverhalt deiner 80-jährigen Oma oder deiner 10-jährigen Nichte. Du wirst merken, wie einfach es dir plötzlich fällt, die Thematik zu beschreiben.

9. Doppelte Leerzeichen

Doppelte Leerzeichen kommen öfter vor, als du glaubst. Du stockst im Satz und überlegst, wie es im Text weitergehen sollte. Aus Gewohnheit drückst du die Leertaste, bevor du wieder mit dem Tippen loslegst und zack – hast du ungewollt zwei Leerzeichen hintereinander.

Einem aufmerksamen Lektor fällt der zu große Abstand ziemlich sicher auf. Damit dir so etwas nicht entgeht, nutze am besten die Suchfunktion deines Textbearbeitungs-Programmes (mit der Tastenkombination: Strg + f) und gib in das Suchfeld zwei Leerzeichen ein.

10. Kommasetzung bei Dreiklang / Aufzählung

Alle guten Dinge sind drei – daher fühlen wir uns beinahe genötigt, so viele Dreiklänge wie möglich in unsere Texte einzubauen. Und das ist super – wäre da nicht diese verflixte Kommasetzung, die für viele Menschen ein Mysterium bleibt.

Daher eine einfache, für dich sofort umsetzbare Regel zur richtigen Kommasetzung beim Dreiklang: Ein Komma wird nur dort gesetzt, wo kein und/oder die Aufzählung trennt. Dasselbe gilt für Aufzählungen mit Bindestrich.

Falsch:
Für das Rezept brauchst du Mehl, Eier, Backpulver, Milch, und Zucker.
Der Fachhandel verkauft unter anderem Mauer-, Schotter-, und Kieselsteine.

Richtig:
Für das Rezept brauchst du Mehl, Eier, Backpulver, Milch und Zucker.

Der Fachhandel verkauft unter anderem Mauer-, Schotter- und Kieselsteine.